Prä- und perinatale Psychotherapie und Traumatherapie

Beate Strauß

Frühe Erfahrungen verstehen. Im Heute mehr Sicherheit finden.

Die Zeit vor und rund um die Geburt kann tief im körperlichen Erleben verankert sein. Ein belastender Schwangerschaftsverlauf kann nachwirken. Auch medizinische Eingriffe oder frühe Trennungserfahrungen können später in Beziehungen und Übergangssituationen anklingen.

In der therapeutischen Begleitung richten wir die Aufmerksamkeit auf das, was heute spürbar ist. Daraus kann ein neuer Umgang mit starken Reaktionen entstehen. Die eigene Geschichte wird verständlicher und der innere Handlungsspielraum kann wachsen.

Frühe Erfahrungen und heutiges Erleben

Was bedeutet prä- und perinatal?

Der Begriff pränatal bezieht sich auf die Zeit vor der Geburt. Perinatal beschreibt Erfahrungen rund um die Geburt und den Übergang in das Leben außerhalb des Mutterleibs.

Diese frühe Zeit liegt vor unserer bewussten sprachlichen Erinnerung. Der Zugang entsteht daher häufig über das gegenwärtige Erleben. Körperempfindungen und Bewegungsimpulse können dabei wichtige Hinweise geben. Auch Gefühle oder innere Bilder dürfen sich zeigen.

Eine bewusst abrufbare, autobiografische Erinnerung an die eigene Geburt ist nicht möglich. Bewusste Erinnerungen an die eigene Geburt sind daher natürlich keine Voraussetzung. Frühe Erfahrungen können sich jedoch im impliziten Gedächtnis niederschlagen und sich später über Körperempfindungen, Bewegungsimpulse, Gefühle oder Beziehungsmuster zeigen. Ausgangspunkt ist immer das, was du heute in dir wahrnimmst.

Wann kann eine Begleitung hilfreich sein?

Frühe Erfahrungen können noch lange im körperlichen und emotionalen Erleben anklingen. Manchmal zeigen sie sich in Situationen, die auf den ersten Blick wenig mit Schwangerschaft oder Geburt zu tun haben.

Vielleicht entsteht in Beziehungen eine starke Angst vor Trennung. Nähe oder Abhängigkeit können intensive Reaktionen auslösen. Manche Menschen erleben in Übergangs- oder Entscheidungssituationen ein ausgeprägtes Gefühl von Hilflosigkeit. Auch wiederkehrende körperliche Anspannung kann Anlass sein, die eigene frühe Lebensgeschichte genauer zu betrachten.

Welche frühen Erfahrungen können eine Rolle spielen?

Die Zeit vor, während und unmittelbar nach der Geburt kann sehr unterschiedlich verlaufen.

Frühgeburt, operative Geburten und bestimmte Nabelschnur- oder Lagekomplikationen sind medizinisch relevante Ereignisse rund um die Geburt. Auch Alkohol- und Tabakexposition während der Schwangerschaft sind mit nachgewiesenen perinatalen Risiken verbunden. Früher Hautkontakt zwischen Eltern und Neugeborenem wird von der WHO besonders unterstützt; bei Frühgeborenen wird heute möglichst eine frühe Nähe zur Bezugsperson angestrebt.

Zu den Erfahrungen, die in der therapeutischen Arbeit bedeutsam werden können, gehören beispielsweise:

  • eine zunächst unerwünschte oder stark ambivalent erlebte Schwangerschaft,
  • Gedanken an oder Versuche eines Schwangerschaftsabbruchs,
  • hoher Stress während der Schwangerschaft oder belastende familiäre Lebensumstände,
  • der Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft,
  • eine Frühgeburt,
  • eine künstliche Geburtseinleitung,
    Kaiserschnitt, Saugglocke oder Zangengeburt,
  • Beckenendlage oder schwierige Geburtsverläufe,
  • Nabelschnurkomplikationen,
  • Narkosen oder intensive medizinische Behandlungen rund um die Geburt,
  • die Belastung durch Alkohol, Nikotin oder andere Drogen während der Schwangerschaft,
  • eine frühe Trennung von Mutter und Baby,
  • ein erschwerter erster Körperkontakt oder fehlendes Bonding.

Welche Bedeutung eine solche Erfahrung für dein heutiges Leben hat, lässt sich nur individuell erkunden. In der prä- und perinatalen Psychotherapie beginnen wir deshalb bei deinem gegenwärtigen Erleben. Körperwahrnehmung und emotionale Reaktionen können dabei Zugänge zur frühen Geschichte eröffnen.

Wenn die eigene Elternschaft frühe Erfahrungen berührt

Das Leben mit einem Baby kann Gefühle auslösen, deren Intensität überrascht.

Das Weinen des Kindes kann starke Unruhe hervorrufen. Körperliche Nähe fühlt sich vielleicht ungewohnt oder überfordernd an. Auch die Abhängigkeit des Babys kann eigene frühe Erfahrungen berühren.

In der therapeutischen Begleitung steht zunächst dein Erleben im Mittelpunkt. Gemeinsam erforschen wir, welche Reaktionen zu deiner aktuellen Situation gehören und welche einen Bezug zu deiner eigenen Geschichte haben könnten.

Für eine gemeinsame Begleitung mit deinem Baby bietet sich ergänzend die Integrative Babytherapie an.

Halt und Orientierung

Zu Beginn schauen wir darauf, was dir im gegenwärtigen Moment Sicherheit gibt. Deine persönlichen Kraftquellen bilden eine wichtige Grundlage für den weiteren Prozess.

Körperorientiertes Erforschen

Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Empfindungen und Bewegungsimpulse. Auch Veränderungen in Atmung oder Körperspannung können aufgegriffen werden. Du bestimmst die Intensität und das Tempo.

Innere Bilder

Manchmal entstehen im therapeutischen Prozess Bilder oder Erinnerungsfragmente. Wir betrachten sie als Ausdruck deines aktuellen Erlebens. Ihre historische Einordnung darf offenbleiben.

Verbindung zur heutigen Lebenssituation

Frühe Erfahrungen werden immer im Zusammenhang mit deinem gegenwärtigen Leben betrachtet. Gemeinsam schauen wir, welche Bedeutung sie heute haben und welcher nächste Schritt hilfreich sein kann.

Wie ich arbeite

Der innere Embryo

Den Zugang zu sehr frühen Körper- und Beziehungserfahrungen beschreibe ich unter anderem als Arbeit mit dem „inneren Embryo“.

Dieser Begriff steht für jenen frühen Anteil unserer Lebensgeschichte, der sich vor der sprachlichen Erinnerung entwickelt hat. Er kann sich im heutigen Erleben über Körperreaktionen und Beziehungsmuster bemerkbar machen.

In der therapeutischen Begleitung wenden wir uns diesem Erleben mit Aufmerksamkeit zu. Dabei kann ein mitfühlenderer Kontakt zur eigenen frühen Geschichte entstehen.

Ankommen

Zu Beginn sprechen wir über dein aktuelles Anliegen. Du entscheidest, wie ausführlich du deine Geschichte erzählen möchtest.

Orientierung finden

Wir nehmen wahr, was dir im Raum und in deinem Körper Halt gibt. Die Sitzung richtet sich nach deiner aktuellen Belastbarkeit.

Erforschen

Körperempfindungen und innere Reaktionen werden aufmerksam begleitet. Sprache und stille Phasen können sich dabei abwechseln.

Abschluss

Zum Ende richten wir die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die Gegenwart. Gemeinsam schauen wir, was dich nach der Sitzung im Alltag unterstützen kann. Eine Sitzung dauert in der Regel etwa 75 Minuten einschließlich Vor- und Nachgespräch.

Wie läuft eine Sitzung ab?

Häufige Fragen

Bewusste Erinnerungen sind keine Voraussetzung. Die Arbeit beginnt bei deinem heutigen körperlichen und emotionalen Erleben.

Auch wenige Informationen können ausreichen. Vorhandene Erzählungen oder medizinische Unterlagen dürfen einbezogen werden, wenn sie für dich hilfreich sind.

Ja. Der therapeutische Rahmen wird an deine aktuelle Situation angepasst. Die medizinische Versorgung und die Betreuung durch deine Hebamme laufen parallel weiter.

Der Umfang richtet sich nach deinem Anliegen und dem Verlauf. Manche Menschen wünschen sich einen einzelnen Termin. Bei tiefer liegenden Themen kann eine Begleitung über einen längeren Zeitraum sinnvoll sein.

Erste Termine finden nach Möglichkeit persönlich statt. Weitere Gespräche können nach individueller Absprache auch online erfolgen.

Fachlicher Hintergrund

Die prä- und perinatale Begleitung verbindet sich mit Beates langjähriger Arbeit mit Säuglingen und Familien. Im Jahr 2025 absolvierte sie eine Weiterbildung in prä- und perinataler Psychotherapie und Traumatherapie bei Klaus Evertz. Zu ihrem fachlichen Hintergrund gehören außerdem die Ausbildung in Integrativer Babytherapie, das Conscious Embodiment Training und eine Weiterbildung zur Traumalösung bei Neugeborenen und Säuglingen. 

Fachlicher Rahmen

Die Begleitung findet im Rahmen der heilpraktischen Tätigkeit statt. Sie kann eine bestehende ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung nach Absprache ergänzen.

Bei akuten psychischen Krisen und Selbstgefährdung hat die unmittelbare Krisenversorgung Vorrang. Auch bei schweren Traumafolgesymptomen ist eine fachärztliche oder approbierte psychotherapeutische Abklärung wichtig. Die aktuelle S3-Leitlinie zur posttraumatischen Belastungsstörung beschreibt hierfür eine leitliniengerechte Diagnostik und Behandlung. 

Deine frühe Geschichte darf verständlicher werden.

Vielleicht spürst du bereits, welches Thema du betrachten möchtest. Vielleicht suchst du zunächst nach einer Einordnung für wiederkehrende Reaktionen. In einem ersten Gespräch schauen wir, ob diese Form der Begleitung zu deinem Anliegen passt.